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KÖRPERHÜLLEN

„Ein Mann ohne Narbenschmuck gleicht einem Schwein oder Schimpansen“

Bafia, Kamerun

Was den Körper primär umhüllt, ist die Haut. Sie verpackt das stumme und unsichtbare Innere des Körpers und ist der Ort, an welchem sich das, was wir als unsere Identität erachten, nach aussen manifestiert.
Der Mensch kommt, im Vergleich mit anderen Säugetieren, als „Frühgeburt“, nackt und völlig von seiner Umgebung abhängig, in die Welt. Um diesen Zustand von Ausgeliefertsein zu kompensieren, muss der biologische, verletzliche Körper zu einem symbolischen werden. Der Eintritt in die kulturelle Ordnung geschieht durch die Sprache. Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan hat für diesen komplexen Prozess folgende Metapher gefunden: So wie der Regen aus der Wolke hinabfällt und durch sein Eindringen in die Erdoberfläche Spuren hinterlässt, so „regnet“ es durch das Sprechen der Anderen, schon längst vor dem Spracherwerb, sprachliche Zeichen, Buchstaben, auf den Körper. Dieser den Leib übersäende Prototext, noch diesseits von oder am Uebergang zu Sinn oder Bedeutung, ist singulär, für jeden Menschen einzigartig, niemals entzifferbar, der kulturelle Gegenpart zum genetischen Code.
Keinem anderen Organ muten wir so viele Verformungen, Verschönerungen, Verzierungen, Veredlungen, Verstümmelungen, Korrekturen zu wie der Haut, was gerade in unserer Zeit so offensichtlich ist. Dieses Brüchige in unserer Selbstdarstellung kann als Hinweis dafür gesehen werden, dass die ursprüngliche Fragilität nie ganz überwunden wird.

Ausstellung:
Körperhüllen in der Handwerksform Hannover | 19. März 2011 bis 16. April 2011
www.hwk-hannover.de



Unsere Arbeit:
Inspiriert von der erwähnten Metapher zum „Sprachregen“ haben wir den Versuch
unternommen, diesen zu materialisieren. Wir haben sieben formgleiche, je mit indivi-
dualisierten Texten versehene Wämser aus Latex hergestellt.


Themenschwerpunkte der einzelnen Wämser:
Die Metapher des Spiegels als Mittel zur Reflexion des eigenen Körperbildes.
Text: Passagen aus dem Märchen vom „Schneewittchen“, der Erzählung „Der Schüler“ von O. Wilde sowie eines psychoanalytischen Textes zum Spiegelstadium.

Die Odyssee als Symbolisierung von Verirrtsein und der Sehnsucht nach Heimat.
Text: Beschreibung eines Tanzstücks zum Thema „Odysseus“ von Jean-Claude Gallotta, Passagen aus „Ulysses“ von J. Joyce.

Versuch der Orientierung entlang der Frage nach dem Ursprung.
Text: Passagen aus „Einladung an die Waghalsigen“ von D. Elmiger, und „Finnegan’s Wake“ von J. Joyce.

Spracherwerb
Text: Kinder-Neologismen, NZZ-Artikel vom Januar 2011 zum Thema Sprache.

EGOMANE
Text: Zwei- und mehrdeutige Wörter mit Bezug zum Körper.

Umgang mit Verlusterfahrungen
Text: Ausschnitt aus „Nach Hause schwimmen“ von R. Lappert, Kinderdiskurse.

SEHTAFEL
Text: Diverse Bilderrätsel sowie Passagen aus „Das Wörterbuch der Lacanschen
Psychoanalyse“ von D. Evans, „Flughafenfische“ von Angelika Overath, „Das Licht brennt ein Loch in den Tag“ von Wilhelm Genazino.

FruchtBar
Text: In einigen Ländern ist es eine gängige Praxis, dass Eltern von in vitro gezeugten Kindern deren Geschlecht wählen dürfen, es ist leicht vorstellbar, dass die Wahlmöglichkeit sich in Zukunft auch auf andere Merkmale ausdehnen wird. (Vortrag Psychosomatik L.S.)
Ausschnitte aus „Briefe an ein ungeborenes Kind“ von Oriana Fallaci, „Später Wettlauf“ Masterarbeit von Susanne van Gogh, 2014
WUNSCHKINDERWUNSCHKINDERWUNSCH …