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ALLE HELLE SEELEN WERDEN GEBROCHEN…


IDEE Wir verstehen das Werk als eine Hommage, an den überwältigenden Raum des Landesplattenbergs, in erster Linie aber an die Schieferarbeiter, welche diesen aufgrund ihres Einsatzes unter extremsten Bedingungen erschaffen haben. Wir haben eine begehbare Rauminstallation geschaffen, bestehend aus fünf freihängenden Lichtstelen.

PRODUKT Fünf freihängende Lichtsäulen mit doppelter textiler Bespannung, mit quadratischem Grundriss von 52x52 cm, Höhe abhängig vom Standort, mindestens 4.2 m, mit Unterkante ca. 30 cm ab Boden.
Ohne Beleuchtung erscheinen die Stelen weiss. Erst durch die Schattenbildung aufgrund der inwendigen Lichtquelle werden die auf die Innenschicht gedruckten Motive sichtbar.

KONSTRUKTION Metallrahmen mit doppelter textiler Bespannung

DRUCK Inkjet und Siebdruck

AUFHÄNGUNG Metallseile

TEXT Es handelt sich um ein Gedicht von Alice Fulton* mit dem Titel „Slate“ (Schiefer). Von Farbassoziationen ausgehend visualisiert die Autorin das regelmässige repetitive Muster eines Schieferdachs, eine Schiefertafel, die Klappe, welche den Beginn der Filmaufnahme markiert – alles Symbole für die räumlich und zeitlich orientierende, in der Sprache verankerten Strukturierung. Unterwerfung unter eine Gesetzmässigkeit, Verlust an Freiheit, welche sie mit der ganz zu Beginn gesetzten Negation beklagt oder der sie sich zu verweigern versucht. Ihre Sehnsucht gilt einer Rück- oder Hinkehr zu einem primären Sein, einem Zustand der Eigentlichkeit, wo unmittelbare sinnliche Erfahrung möglich wäre. Ein Sein diesseits des Bruchs durch die Sprache, vor dem „Zu-Wort-kommen“. Obwohl dieses Gedicht aus einem völlig anderen kulturellen Kontext stammt, kann es den Glarner Schieferarbeitern eine Stimme verleihen, nicht zuletzt wegen seiner sperrigen Sprache. Die fünf bildlichen Strukturen, welche in unserem Werk den Text-Bruchstücken unterlegt sind (frisches Gras, Teil einer Tracht, Kuhfell, Holz, Glarner Karostoff) sollen, wie auch im Gedicht, die Freiheit ausserhalb des Bruchs andeuten.

SLATE
Neither pigeon, taupe, nor coal
black. Not a braille
Pen embossing points on bond, the entrants
in a race, record of events, or gray
scales meshed in roofs.
Not „to foreordain“. But
all of the above, the future
scrubbed with fleshburn brush,
threshold unscented by events as
yet, the premise, the blackboard’s
dense blank screen, un-
reckoned rock complexion, the tablet un-
chalked with take and scene, opposite of
has-been, antonym to fixed, the
breadth of before, before
-lessness links with hope or mind or
flesh, when all is
-ful, -able, and –or, as
color, as
galore, as before

words. The above,
yes, and beyond
measure – unstinting
sky, green fire of cornfields, the how
many husks clasping how
many cells, the brain to say
rich, new, if, and
swim in possibility, as it is and
ever more shall be, to fold, to
origami thought,
look, no shears or hands, the
blizzard, unabridged, within the black dilated iris
core and hold
it – little pupil can – in mind, in utero,
sculpt the is, the am.

SCHIEFER
Nicht taubengrau, taupe, noch kohle-
schwarz. Kein Braille-
stift, der Punkte ins Papier prägt, Kandidaten
beim Wettkampf, Ereignisbericht, graue
Schuppen zu Dächern verzahnt.
Auch nicht „vorherbestimmbar“. Aber
alles oben Erwähnte zusammen, die Zukunft,
mit einer Frottierbürste klargeschrubbt,
Schwelle, unberührt von Ereignissen bis-
her, die Voraussehung, die dichte
schwarze Platte einer Schiefertafel, un-
beschriebener Fels-Ton, die Klappe, die un-
bekritzelt mit Take oder Szene ist, Gegenteil
von Gewesen-sein, Antonym zu fest, die
Bandbreite des Bevor, bevor
-losigkeit sich an Hoffnung oder Geist oder
Körper bindet, wenn alles
-voll, -bar und –ig ist, so wie
farbig, wie völlig, wie vor

den Worten. Das Darüber,
ja, und das Uner-
messliche – uneingeschränkter
Himmel, grünes Maisfelderfeuer, das Wie-
viele Hülsen umfassen wie-
viele Körner, das Hirn, um zu sagen
reich, neu, falls, und zu schwimmen
in der Möglichkeit, wie es ist und
immer sein werde, zu falten, zu
Origamigedanken,
sieh, ohne Scheren oder Hände, den
Schneesturm, ungekürzt, im Zentrum der weit
offenen schwarzen Iris und behalte
ihn – die Pupille kann es – im Geist, in utero,
meissle das Ist, das Bin heraus.


„SEHEN heisst ändern“,
30 amerikanische Dichterinnen des 20 Jh., Lyrik Kabinett München 2006.
*Alice Fulton, geb.1952, amerikanische Autorin, wurde für ihre Kurzgeschichten und Lyrik mehrfach ausgezeichnet, erhielt 2003 den Bobitt National Prize for Poetry, lehrte an verschiedenen amerikanischen Universitäten, zur Zeit an der Cornell University.


TEXTILE AUSSTELLUNG LANDESPLATTENBERG ENGI
29. August bis 14. September 2008